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Was ist Regulation?
Jede Form von Leben unterliegt sehr komplexen Regulationsprozessen. Z.B. die Körpertemperatur beim Menschen (im Idealfall=Sollwert 37° Celsius) ist ständigen leichten Schwankungen um diesen Sollwert herum unterworfen. Diese Steuerung wird ohne unsere Aufmerksamkeit zu erregen, quasi im Hintergrund, geleistet. Dies auf alle Regulationsprozesse (z.B. Puls, Atmung, Blutdruck, Hormonspiegel, Stressstatus, etc.) hochzurechnen würde unsere Medizin schlichtweg überfordern.
An dieser Stelle haben die alten Chinesen gewaltiges geleistet. Sie haben ein Diagnose-Verfahren entwickelt, das anhand äußerer Zeichen (Antlitz, Puls, Zunge, Sprache, Gestik, Mimik, Körpersprache) einen exakten Rückschluß auf den aktuellen vegetativen Status erlaubt. Der vegetative Status zeigt uns den aktuellen Regulationszustand und die aktuelle Regulationsrichtung und gibt damit eine exakte Therapieanweisung vor.
Oben sehen Sie eine typische Regulationskurve für die Körpertemperatur. Die Pfeile geben Bewegungsrichtungen und im Allgemeinen in der Chinesischen Medizin die sog. Wandlungsphasen an. Der Sollwert von 37°C wird immer angestrebt jedoch nur in Punkt a, c, e tatsächlich für kurze Zeit erreicht.
In den Punkten b, d wird der Bezug der Regulationskurve zum Sollwert am stärksten verdeutlicht.
Qigong-Übungen fördern die Regulation nachhaltig unter Beachtung einfacher Gesetzmäßigkeiten.
Ausgangspunkt ist ein Mangel an Bewegung und ein Übermaß an Stress und geistig-seelisch-sensorischer Beanspruchung.
Damit sind bereits gute Voraussetzungen für einen dringend benötigten Regulationsbedarf gegeben. Qigong bietet umfassende Körpermobilisierung bei gleichzeitiger Entspannung und einen Abbau von neurologisch wirksamen Stressfaktoren.
Wie sieht ein guter Qigong-Unterricht aus?
Für einen qualitativ hochwertigen Qigong-Unterricht können wir bereits einige Faktoren ableiten:
1. Der Qigong-Unterricht erfolgt in Anpassung an die Jahreszeit, die Tageszeit und den jeweiligen individuellen Zustand der Teilnehmer. Der Teilnehmer wird in seinem Zustand "abgeholt" und durch Übungen in seiner Regulation bestärkt.
2. Ein guter Qigong-Unterricht durchläuft immer alle Wandlungsphasen und gleicht individuelle Dysbalancen innerhalb der Übung aus.
3. Die Qigong-Übung unterstützt die Qi-Erzeugung (Yin ? Yang), die Qi-Verteilung im Leitbahnsystem, einen harmonischen und ausgewogenen Qi-Fluss und kehrt am Ende immer ins Yin zurück. Nur im Yin wird eine dauerhafte substanzielle Wirkung erreicht.
4. Ein guter Qigong-Unterricht führt ohne Mühe in einen tiefen und guten Zustand der "Eu-Regulation". Es wird keine Euphorisierung jedoch auch keine Gleichgültigkeit angestrebt.
Insofern wird der Kreis zum Sinnbild eines guten Qigong. Auch in unseren Breiten heißt es nicht zuletzt deshalb: "Der Kreis schließt sich".
Qigong und Taiji in der Pädagogik
Im pädagogischen Bereich treten täglich neue Herausforderungen an die Lehrkräfte heran. Obwohl sie in ihrer Ausbildung über pädagogisch-psychologische Zusammenhänge informiert sind und über kindliche und jugendliche Entwicklung und deren Störungen mit ihren Auswirkungen auf Lernen und Verhalten Fortbildungen besucht haben, zeigt die Praxis jedoch, dass es sowohl in den Kindergärten, im Vorschulbereich, wie auch in der Schule immer mehr Kinder gibt, die wegen ihrer Problematik, sei es im Lernen oder im Verhalten eine gewisse Hilflosigkeit bei den Pädagogen auslöst.
Dort, wo sich Probleme vermehren, treten Verhaltensauffälligkeiten in Erscheinungsformen auf, die eine sinnvolle Erziehung, den pädagogischen Auftrag, erschweren können.
Im Schulalter können verschiedene Probleme sichtbar werden:
Im grobmotorischen Bereich haben kinder häufig Probleme mit ihrem Körperschema, ihrer Körperkoordination und ihrem inneren wie äußeren Gleichgewicht. Im feinmotorischen Bereich wird dies an ihrer Fingerfertigkeit deutlich, die taktile Wahrnehmung bedarf der Übung und Schulung. Im Zeitalter des Medienüberflusses fehlt das Begreifen. Die Umsetzung vom Verbalen zur Verschriftlichung kann nicht nach Anweisung umgesetzt werden. Die Auge-Hand-Koordination erfolgt verkrampft. Im visuellen Bereich treten weiterhin Schwierigkeiten bei der Figurgrundwahrnehmung, der Formkonstanz, der Raumlage und den räumlichen Beziehungen auf.
Bei der auditiven Wahrnehmung fehlt den Kindern häufig die nötige innere Ruhe und Ausgeglichenheit; sie nehmen oft nur Teilbereiche wahr. Kinder, die über eine schwach ausgebildete Ich-Kompetenz verfügen, sind häufig nicht in der Lage, tolerant mit ihren Mitmenschen umzugehen und haben Schwierigkeiten, sich in einer Gruppe zurechtzufinden und Regeln einzuhalten.
Das Miteinander erfordert auch sprachliche Kompetenz. Hier wird rhythmische, phonologische und kinästhetische Differenzierung benötigt. Dies erfordert eine intakte auditive Wahrnehmungsverarbeitung. Diese Aufzählung erfordert eine ganzheitliche Förderung jedes einzelnen Kindes, was ein Lernen mit Bewegung begünstigt.
Robert Stooß ist mit dem Tao-Zentrum Mannheim Präventionspartner der gesetzlichen Krankenkassen und Referent der DGTCM
Tao-Zentrum Institut für asiatische Entspannungsverfahren, Taoistische Heilkünste und Lebensphilosophie Leitung: Robert Stooß
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