Taiwan, Anfang der dreißiger Jahre: Ayako, ein Mädchen aus Okinawa, heiratet Jian, den ältesten Sohn der Familie Lin. Die Lins sind Chinesen und betreiben ein Heilkräutergeschäft auf der von Japan beherrschten Insel. Sie sind auf Taiwan angesehen und voll integriert, die Kinder sprechen auch zu Hause japanisch. Der Zweite Weltkrieg und der „Weiße Terror“ unter Tschiang Kaishek zerreißen die Familie und nehmen ihr die Männer. Taiwan gehört nun nicht mehr zu Japan, sondern wieder zu China. Unterdessen verlieb sich Ayako in ihren Schwager Cai.
Doch beide sind verheiratet. Persönliche Probleme wie diese unglückliche Liebe verbinden sich mit den Umbrüchen und der Gewalt der Nachkriegszeit auf Taiwan – 2002 beschließt die Enkelin Ayakos erstmals nach fünfzehn Jahren wieder in ihre Heimat Taiwan zurückzukehren und mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Zusammen mit ihrem deutschen Verlobten macht sie sich auf den Weg.
Leseprobe:
„Siuwen war immer abweisender zu Ayako. Sie forderte ihr Kind sogar auf, Essen auszuspucken, das Ayako ihm gegeben hatte. Ayako nahm ihr das nicht übel. Sie fühlte sich nur hilflos. Erst später wurde ihr klar, dass Siuwen nicht einmal ahnte, dass zwischen ihr und Cai etwas war. Siuwen sah in Ayako nur die Japanerin, deshalb wollte sie nichts mit ihr zu tun haben. Damals kam es vor, dass Austauschstudenten aus Japan zurückkehrten und brutal ermordet wurden.“
Die Autorin:
Jade Y. Chen, geboren 1957 in Taichung, Taiwan, studierte Geschichte und Literatur in Paris sowie Regie und Choreographie. Die Regisseurin und Autorin zahlreicher Romane, Theaterstücke und Essays, und Europakorrespondentin der taiwanischen Tageszeitung „United Daily News“ lebt in München. Die Insel der Göttin erschien 2004 in Taiwan, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, und wurde bisher über 80.000 Mal in Asien verkauft.
Die Insel der Göttin
Jade Y. Chen
Münchner Frühling Verlag, München 2008, 420 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-940233-13-4.
24,90 €